{"id":94,"date":"2014-06-17T22:31:58","date_gmt":"2014-06-17T20:31:58","guid":{"rendered":"http:\/\/robin-schicha.de\/?page_id=94"},"modified":"2014-07-06T14:46:37","modified_gmt":"2014-07-06T12:46:37","slug":"von-einem-der-auszog-die-buecher-zu-finden","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/robin-schicha.de\/?page_id=94","title":{"rendered":"Von einem der auszog, die B\u00fccher zu finden"},"content":{"rendered":"<p>In einem kleinem Dorf, irgendwo in der Gegenwart, wo es schien, als sei die Zeit stehengeblieben, gab es einen Jungen namens Dietwald. In diesem Ort herrschte Ruhe und Frieden, Hektik gab es kaum. Hier stand nur ein Lebensmittelgesch\u00e4ft und viel Natur. Es fuhren Trecker, Pferdekutschen und andere altmodische Fahrger\u00e4te \u00fcber die Stra\u00dfen. Der Dorfbrunnen war so sauber, dass daraus getrunken werden konnte. Jeder kannte jeden, man vertraute einander und half sich gegenseitig aus.<\/p>\n<p>Hier lebte Dietwald. Er unterschied sich von den anderen Kindern, denn er hatte bereits von Kind an eine seltsame Neugier. Als er im Alter von sieben Jahren mit seiner Mutter das erste Mal die weit entfernte Gro\u00dfstadt  besuchte, bekam er einen geh\u00f6rigen Schock: Solche Autos und solche Geb\u00e4ude hatte er noch nie zuvor gesehen!<br \/>\nDoch pl\u00f6tzlich begann er, innerzuhalten. Etwas Besonderes lag in der Luft. Irgendein seltsamer Hunger hatte b\u00f6swillig von ihm Besitz ergriffen. Seine Mutter musste ihn hinter sich herziehen, doch es war bereits zu sp\u00e4t!<br \/>\nEr bl\u00e4hte seine Nasenfl\u00fcgel und nahm die Witterung auf. Irgendwo mussten sie sein, da war er sich ganz sicher. Eine Frau, die einen dicken W\u00e4lzer unter dem Arm trug, best\u00e4tigte seine Vermutung: Er war auf der richtigen F\u00e4hrte!<br \/>\nEndlich hatte er sie gefunden! B\u00dcCHER!<br \/>\nDie Buchhandlung erstreckte sich \u00fcber mehrere Etagen. Er f\u00fchlte sich wie ein kleines Kind im S\u00fc\u00dfwarenladen. Dies war sein Reich! Er musste gar kein Buch kaufen, es reichte aus, wenn er sich durch diese Korridore bewegen konnte und den Duft der Literatur aufsaugen durfte.<br \/>\nSchon der Einband eines Buches war phantastisch! Dietwald konnte sich stundenlang damit besch\u00e4ftigen. Der Duft der Zellulose faszinierte ihn. Beim Lesen versank Dietwald ganz in andere Welten. Sein K\u00f6rper war zwar noch anwesend, aber seine Seele tauchte in die magische Welt der B\u00fccher ein. F\u00fcr die Au\u00dfenwelt schien er bewegungslos geworden zu sein und musste geweckt werden. Leider zerrte Dietwalds unwissende Mutter ihn bald davon, weil er sich nicht f\u00fcr eines der vielen B\u00fccher entscheiden konnte.<br \/>\nDoch dieses Erlebnis reichte Dietwald nicht. Es zog ihn immer wieder dorthin zur\u00fcck. Fortan besuchte er heimlich die Buchhandlung so oft es ging. Seine Mutter wurde schon misstrauisch, weil er immer den ganzen Tag unterwegs war.<br \/>\nAuch ansonsten war seine Mutter nicht begeistert davon, dass Dietwald seine W\u00e4sche im Schrank schlechter behandelte als jedes einzelne Buch. F\u00fcr Dietwald waren seine B\u00fccher zu Familienmitgliedern geworden und mussten gut behandelt werden. B\u00fccher waren f\u00fcr ihn einfach wichtiger \u2013 dem Fernsehen zog er sie auf jeden Fall vor! Er las sogar B\u00fccher zu Filmen, um mehr Hintergrundinformationen zu den Charakteren zu erhalten.<br \/>\nDie B\u00fccher als die \u00e4ltesten Reliquen des Menschen hatten ihn in ihren Bann gezogen. Dietwalds ausgepr\u00e4gte Begeisterung f\u00fcr die alten W\u00e4lzer blieb nicht unbeachtet. Eines Tages fragte ihn der Buchh\u00e4ndler vor Ladenschluss, ob er hier vielleicht \u00fcbernachten wollte. Dieser Gedanke gefiel Dietwald durchaus, doch dann wollte ihn der Buchh\u00e4ndler aber doch nicht alleine mit den B\u00fcchern einschlie\u00dfen.<br \/>\nSeine Mutter und seine Lehrer, die diese Leidenschaft beobachtet hatten, rieten Dietwald, er solle zur Abwechslung zum Fu\u00dfball gehen oder in die Disko. Beides gefiel Dietwald \u00fcberhaupt nicht, denn er bekam dort das Gef\u00fchl, er sei da unerw\u00fcnscht!<br \/>\nAlso wandte er sich wieder seinen wichtigeren Dingen zu \u2013 den B\u00fcchern!<br \/>\nSeine Schullaufbahn wurde trotz alledem nicht von ihm vernachl\u00e4ssigt &#8211; im Gegenteil-  durch seine Lesefreude erhielt er jetzt im Deutschunterricht gute Noten und hatte einen exzellenten Ausdruck.<br \/>\nDietwald besuchte weiterhin t\u00e4glich die Buchhandlung. Einmal erwies er sich sogar als Retter in der Not, als ein schlechtgelaunter Kunde ein bestimmtes Buch suchte, dessen genauen Titel er nicht kannte, und das deshalb niemand finden konnte. Dietwald dagegen kannte jedes Buch in dem Laden, und konnte dem Angestellten so aus der Klemme helfen. Seitdem wurde er dort stets mit offenen Armen willkommen gehei\u00dfen! Mittlerweile kannten alle Mitarbeiter auch seinen Namen.<br \/>\nDietwalds Berufswunsch war nat\u00fcrlich mit dem Buch verbunden. Deshalb machte er in sp\u00e4teren Jahren ein Praktikum in der Buchhandlung. Hier hielt ihm der Chef jedoch \u00f6fters eine Standpauke, weil er die ausrangierten B\u00fccher f\u00fcrs Antiquatiat lieber las anstatt sie zu schleppen. Diese k\u00f6rperliche Arbeit war nicht das, was sich Dietwald gew\u00fcnscht und vorgestellt hatte.<br \/>\nTrotzdem ging er auch regelm\u00e4\u00dfig weiter in seine Buchhandlung und kaufte sich immer wieder neue B\u00fccher, damit er sich l\u00e4nger dort aufhalten konnte. Diese Leidenschaft hielt an.<br \/>\nSp\u00e4ter als Erwachsener machte Dietwald als B\u00fccherexperte selbst einen kleinen B\u00fccherladen in seinem Dorf auf. Hartn\u00e4ckig &#8211; wie er war &#8211; hatte er nicht aufgeh\u00f6rt, von einer eigenen Buchhandlung zu tr\u00e4umen. Hier las er nun regelm\u00e4\u00dfig der Dorfjugend die Abenteuer von Alice im Wunderland, Robinson Crusoe, Bastian Balthasar Bux, dem Sams und anderen Helden vor. Auch die \u00e4lteren Dorfbewohner suchten nun h\u00e4ufig Dietwald in seiner Buchhandlung auf und wagten sich hin und wieder sogar an ein ber\u00fchmtes literarisches Buch heran!<br \/>\nIn dem kleinen Dorf, irgendwo in der Gegenwart, war die Zeit nicht mehr stehen geblieben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einem kleinem Dorf, irgendwo in der Gegenwart, wo es schien, als sei die Zeit stehengeblieben, gab es einen Jungen namens Dietwald. In diesem Ort herrschte Ruhe und Frieden, Hektik gab es kaum. Hier stand nur ein Lebensmittelgesch\u00e4ft und viel Natur. Es fuhren Trecker, Pferdekutschen und andere altmodische Fahrger\u00e4te \u00fcber die Stra\u00dfen. 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