{"id":170,"date":"2014-06-18T17:29:17","date_gmt":"2014-06-18T15:29:17","guid":{"rendered":"http:\/\/robin-schicha.de\/?page_id=170"},"modified":"2014-06-18T17:37:46","modified_gmt":"2014-06-18T15:37:46","slug":"der-affenkult","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/robin-schicha.de\/?page_id=170","title":{"rendered":"Der Affenkult"},"content":{"rendered":"<p><strong>Vorwort<\/strong><\/p>\n<p>Der Papst hat endlich Konkurrenz bekommen. Sahen wir ihn bislang doch als Stellvertreter Gottes an, so waren wir etwas verwundert \u00fcber seine Auftritte in der \u00d6ffentlichkeit. Schon sein Aussehen gibt zum Schmunzeln Anlass. So tr\u00e4gt er nicht etwa Anzug und Krawatte, sondern unpraktische wallende Gew\u00e4nder mit roten Schuhen. Auf dem Kopf tr\u00e4gt er eine komische Nikolausm\u00fctze. Auch seine Ansprachen sorgen f\u00fcr Verwirrung. Er meint, dass er Experte f\u00fcr Familienplanung w\u00e4re, obwohl er gar nicht heiraten darf.<br \/>\nNun geht sein gr\u00f6\u00dfter Albtraum in Erf\u00fcllung. Es gibt Konkurrenz zur katholischen Heilslehre von Seiten des untersch\u00e4tzten Primaten. Die  Darwinisten und Atheisten k\u00f6nnen frohlocken. Endlich ein Alternativangebot zu Benedikt XI! Hier greift die Evolution tats\u00e4chlich ein. Die Vergangenheit holt den Menschen ein. Daher herrscht zur Zeit eine gro\u00dfe Aufregung \u00fcberall auf der Welt! Eine neue Sekte breitet sich immer weiter aus. Sie bekommt st\u00e4ndig mehr Anh\u00e4nger, viele Leute jeden Alters finden im Affenkult ihr Heil. Die Anh\u00e4nger haben sich auf eine kleine Insel in der S\u00fcdsee zur\u00fcckgezogen.<br \/>\nEigentlich nichts Schlimmes, w\u00fcrde man meinen, aber der Vatikan f\u00fchlt sich bedroht. Es hei\u00dft, engste sogar F\u00fcrsprecher des Papstes h\u00e4tten schon ihren Glauben gewechselt, so wie alte Socken! Der Affenkult ist &#8222;in&#8220;, und man findet \u00fcberall schon geheime Symbole wie Ketten und Steine &#8211; selbst in Europa!<br \/>\nDie Gro\u00dfm\u00e4chte und vor allem ihre Gl\u00e4ubigen sind in Aufruhr! Alle haben Angst, wohin das noch f\u00fchren wird. Niemand wei\u00df bis jetzt Genaueres! Eine weltweite Unruhe breitet sich aus!<br \/>\nEtwas, wovon jeder Journalist tr\u00e4umt, ist jetzt eingetroffen. Ich, Alexander Niel Anders, der bis jetzt noch unbekannte Journalist, werde der erste Au\u00dfenstehende sein, der sich unter diese Sekte mischt und ihre geheime Verschw\u00f6rung gegen die Weltgesellschaft aufdecken wird.<br \/>\nIch hoffe, es wird mir gelingen, Mitglied der Sekte zu werden aber ich werde leider weitgehend auf Technik verzichten m\u00fcssen. Ich denke, dass es barbarische Riten gibt, \u00fcber die ich schreiben kann, denn das w\u00fcrde meinen Ruhm noch mehr in die H\u00f6he schnellen lassen, wenn ich alles genaustens dokumentiere. Mein Name wird unsterblich werden: Alexander Niel Anders \u2013 der andere Reporter!  <\/p>\n<p><strong>Ankunft auf der Insel<\/strong><\/p>\n<p>Die Affenkult-Sekte hat mich tats\u00e4chlich in ihren Scho\u00df aufgenommen! Nun habe ich endlich Einblick in ihre Rituale. Die Einweihung in die Affen-Sekte war leider harmloser als ich zun\u00e4chst gedacht hatte: Anstatt auf das Kreuz zu spucken und anderen religi\u00f6sen Frevel zu begehen, musste ich &#8222;nur&#8220; mein brandneues satelittenbetriebenes 400 $ teures Handy abgeben. Und das verlangt viel \u00dcberwindung im Namen der Presse!<br \/>\nDie Insel erreichte ich, so grotesk es klingen mag, mit dem Schlauchboot! Ja, es gibt einen Vertrag mit den Einwohnern, der \u00d6ltanker verbietet, n\u00e4her als 40 Kilometer zu kommen. Ferner ist im letzten Abschnitt auch ein Landeverbot f\u00fcr Hubschrauber und Fallschirmspringer vermerkt und unterstrichen. Ich musste also eine viert\u00e4gige Schiffahrt buchen, um danach noch ganze 40 Kilometer zu paddeln. Das war vielleicht anstrengend! Na, wenn sich die Redaktion dabei geirrt hat, kann sie was erleben!<br \/>\nBei meiner Ankunft stellte ich fest, dass die meisten Einheimischen Europ\u00e4er waren. Sie waren geschminkt und bemalt, wie an Karnevall. Nun, damit hatte ich sicher nicht gerechnet. Aber wenigstens waren sie so freundlich, mich erst einmal von der  schwei\u00dftreibenden Paddelprozedur erholen zu lassen und mir eine Strandliege anzubieten. Leider gab es auf der ganzen Insel weder Zigaretten noch Bier oder \u00e4hnliches, womit ich meine angeschlagenen Nerven beruhigen konnte. Irgendwann d\u00e4mmerte es, und ich schlief ohne Abendessen ein.   <\/p>\n<p><strong>Entstehung des Affenkultes<\/strong><\/p>\n<p>Nach meinen Recherchen liegt die Wurzel des Affenkultes gegen Ende des dritten Jahrtausends vor Christi. Am bekanntesten ist die Sage von dem Urgr\u00fcnder Gugha, einem Vorfahren des Menschen, der selbst noch affenartige Z\u00fcge trug. Dies erkl\u00e4rt vielleicht auch den Zulauf und die hohe Identifizierungsm\u00f6glichkeit der vielen verschieden ethnischen Gruppen, weswegen die Menschen alle in die S\u00fcdsee pilgern. Jeder Mensch k\u00f6nnte also irgendwann so einen Vorfahren gehabt haben &#8211; selbst ich! Na, dass klingt ja verlockend.<br \/>\nDieser Guga soll der erste gewesen sein, der diese Religion, oder so eine \u00e4hnliche, mit seiner Familie in Afrika auslebte. Nicht umsonst gilt Afrika ja als die Wiege der Menschheit. Totaler Schwachsinn, ich wei\u00df. Aber diese Leute glauben hier echt daran! Ich wei\u00df bis jetzt nicht mal, warum sich jemand diesen Schwachsinn \u00fcberhaupt ausgedacht hat: vielleicht als Touristenunterhaltung?<br \/>\nJedenfalls soll der Affenkult soll dann irgendwann im Zuge der V\u00f6lkerwanderung erst einmal verloren gegangen sein, bevor er wiederentdeckt wurde. Am besten w\u00e4re es ja, wenn er auch verloren geblieben w\u00e4re!<br \/>\nWegen ihrer primitiven Vorfahren f\u00fchlen sich die Affenkultler immer noch dem Tier zugeh\u00f6rig und betrachten Raubtiere als Gleichgesinnte, die sie wegen ihrer St\u00e4rke und ihres Jagdgeschicks bewundern. Tiere allein aus Spa\u00df zu t\u00f6ten gilt daher als undenkbar. Durchaus qualitative Eigenschaften, aber ich bin sicher, dass es irgendwo einen Haken dabei gibt!<br \/>\nSp\u00e4ter versuchten mehrere Nachfahren, die ideale \u201eperfekte Religion\u201c zu kreieren, die menschlichen Fortschritt und Sicherheit garantierte. Der wichtigste Erneuerer des Affenkultes wurde von seinen J\u00fcngern &#8222;Alma Nomada&#8220; genannt, was in der Affensprache Taga soviel wie \u201eAffenhaupt\u201c bedeutete. Ich finde das ja nicht sehr einfallsreich! Aber dieser &#8222;Alma Nomada&#8220; wird von den Affenanh\u00e4ngern auch heute noch hochgelobt!<br \/>\nDabei ist es unklar, ob diese Person \u00fcberhaupt jemals gelebt hat, doch das st\u00f6rt keinen der J\u00fcnger: Spiritismus ist sehr beliebt. Die gesamte &#8222;Religion&#8220; scheint also vom Aufbau her schon recht naiv zu sein!  <\/p>\n<p><strong>Der H\u00e4uptling<\/strong><\/p>\n<p>Den H\u00e4upling traf ich \u00fcbrigens am n\u00e4chsten Morgen, nach einem &#8222;ausgiebigen&#8220; Fr\u00fchst\u00fcck aus Kokosnussmilch. Die Einwohner der Insel luden mich zu einem Fr\u00fchst\u00fcck ein, was man im besten Inselhotel nicht erhalten kann. Wenn dass nun auch noch auf Kosten des Dorfes geht, bin ich geneigt, meinen schlechten Start  etwas zu \u00fcberdenken. Gegessen wird auf umgefallenen Palmen, welche aus Alterschw\u00e4che &#8222;starben&#8220;, wie man mir versicherte, und auf riesigen Steinen. Diese dienten als St\u00fchle. Die Teller waren Kokusnussschalen, und die Gl\u00e4ser waren ausgeh\u00f6hlte Schneckenschalen. Kohlens\u00e4ure und Coka Cola sind hier unbekannt, es gibt nur klare Trinkquellen. Nun man passt sich an! Irgendwie! Die Affenj\u00fcnger waren sehr freundlich zu mir, allerdings hat irgendjemand \u00fcber Nacht meine Uhr vom Armgelenk gestohlen! Soviel zum Thema &#8222;Unverdorbene Gesellschaft&#8220;!<br \/>\nIch verlangte schnell, den H\u00e4uptling dieses Dorfes pers\u00f6nlich kennen zu lernen, um mir ein Bild \u00fcber den Tyrannen machen zu k\u00f6nnen, der diese Insel fest in seinen Klauen hatte. Man f\u00fchrte mich zu ihm, und ich hatte ein denkw\u00fcrdiges Dejavue:<br \/>\nVor mir thronte, auf ausgeh\u00f6hlten Zitronenschalen sitzend, ein Doppelg\u00e4nger von Benedikt dem 16! Er hatte sich nur etwas in Schale geworfen: In Kokusnussschalen, um Genau zu sein. Die Nikolausm\u00fctze bestand aus Seide von Kastanienfasern, und die Robe musste fr\u00fcher mal ein Schalke04-Schal gewesen sein \u2013 den blau-wei\u00dfen Streifen nach zu urteilen. Ich war fasziniert: Ratzinger im afrikanischen Look und etwas mehr Fett um die Oberweite! Vielleicht k\u00f6nnt ihr euch in etwa ein Bild davon machen? Und diese falsche Parodie eines Christusvertreters auf Erden lebte hier? In jeder Talkshow w\u00e4re er in diesem Aufzug sicher eine Sensation! So etwas L\u00e4cherliches hatte ich zuletzt beim Karnevalszug in K\u00f6ln miterlebt.<br \/>\nWenn an die Inselbewohner denke, m\u00fcssen sie ja auch vollkommen durchgedreht sein! Irgendwie schaffte es dieser &#8222;Schwabbel-Papst&#8220;, einen majest\u00e4tischen Auftritt zu erlangen. Neben ihm stand ein halbnackter junger Mann mit Kartoffelschalen auf dem Kopf und blies in ein Bambusrohr, um mich anzuk\u00fcndigen. Diese Ehre w\u00e4re doch nicht n\u00f6tig gewesen \u2013 genausowenig wie diese heuchlerische Ansprache &#8222;Sei gegr\u00fc\u00dft, Fremdling!&#8220; Der H\u00e4uptling tat weiter so, als w\u00fcrde er nicht merken, wie l\u00e4cherlich er aussah. Er hie\u00df mich willkommen und bat mich, w\u00e4hrend  meiner Anwesenheit die Ruhe des Dorfes nicht zu st\u00f6ren und seine Gastfreundschaft mit Verantwortung zu achten.        <\/p>\n<p><strong>Aufbau der Religion<\/strong><\/p>\n<p>Der Aufbau der Religion erinnert mich an viel Bekanntes: Die Affenkulter machen es sich einfach, denn sie vereinen offenbar verschiedene Elemente anderer Glaubensgemeinschaften und erm\u00f6glichen es dadurch, Neueinsteigern relativ schnell Zugang zu ihr zu finden.<br \/>\nBesonders ausgepr\u00e4gt erscheint mir das Rechtssystem, was viele Elemente der attischen Demokratie enth\u00e4lt: Wenn das Oberhaupt eine Entscheidung f\u00e4llt, m\u00fcssen ihm erst alle anderen zustimmen. Schon eine einzige Gegenstimme reicht aus, um den Entschluss fallen zu lassen. Ich kann mir gut vorstellen, dass man dadurch nie zu Entscheidungen kommt!<br \/>\nPolitischer Machmissbrauch soll hier erschwert werden, indem die Rolle der Berater mehr in den Vordergrund r\u00fcckt. Der H\u00e4uptling ist auf seine sechs Berater angewiesen und darf keine eigenm\u00e4chtigen Entscheidungen f\u00e4llen. Hier m\u00f6chte ich nicht H\u00e4uptling sein, denn ich will nicht immer erst sechs Leute fragen m\u00fcssen, wie ich mich entscheiden soll!<br \/>\nDie Todesstrafe wird weitgehend durch eine Verbannung ersetzt. Selbst Schwerverbrecher bekommen nach ihrem Tod ein w\u00fcrdevolles und sch\u00f6nes Grabdenkmal, wo es sogar gestattet ist, um sie zu trauern, um zu zeigen, dass es kein Freude bereitet, einen Menschen zu verlieren. Das macht einen schon Sorgen um den Geisteszustand dieser J\u00fcnger!<br \/>\nGef\u00e4ngnisstrafen gibt es nicht, da die Affengl\u00e4ubigen &#8211; oder soll ich besser sagen &#8222;Affenj\u00fcnger&#8220;? &#8211; \u00fcberzeugt davon sind, dass dunkle Mauern, Kerker und Gitterst\u00e4be den Menschen schlechter und nicht besser machen.<br \/>\nLandpflege und ehrliche Arbeit werden hoch gepriesen und gelten als tugendhaft, und Kriminelle k\u00f6nnen auf diese Weise ihre Schuld abarbeiten. K\u00f6rperverletzung und Sadismus werden mit Verachtung bestraft, die erst vorbei ist, wenn der Betreffende ehrlich um Verzeihung bem\u00fcht ist.<br \/>\nSogar die Wissenschaft findet ihren Platz in dieser Religion. Erfindungen, die das Leben erleichtern, werden gerne angenommen, sofern sie der Natur nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig schaden. Als ob der Mensch heutzutage ohne PC und Fernseher \u00fcberhaupt leben kann!<\/p>\n<p><strong>Gottheiten<\/strong><\/p>\n<p>Bei der Suche nach den Gottheiten ist mir Folgendes aufgefallen: Die J\u00fcnger des Affenkultes glauben immer noch an mehrere lokale Gottheiten, was ja ihre Primitivit\u00e4t noch unterstreicht.<br \/>\nSo gibt es einen christlichen Menschengott, der aber seinen Platz mit anderen G\u00f6ttern teilen muss, die wiederum f\u00fcr verschiedene Bereiche t\u00e4tig sind.<br \/>\nJedes Mitglied der Gemeinschaft bekommt an seinen 10. Geburtstag einen eigenen Schutzgeist zugewiesen, der ein spezielles Tier verk\u00f6rpert und ihm fortan Gl\u00fcck bringen soll. Angebetet wird er jedoch nicht, die Gemeinschaft lebt recht pragmatisch und aufgekl\u00e4rt. Was f\u00fcr einen Schutzgeist ich wohl bekommen werde? Hoffentlich kein Kamel!<br \/>\nDie Natur gilt den J\u00fcngern des Affenkultes als heilig. Sie verbrauchen nie mehr von ihr, als sie selbst n\u00f6tig haben. Tiere werden zwar geschlachtet und zubereitet; aber auch hier ist es wichtig, seine Trauer zu bekunden, und das Opfer dankbar f\u00fcr das eigene \u00dcberleben anzunehmen. Gerade diese Regeln sorgen f\u00fcr einen regen Zulauf an neuen J\u00fcngern. Aber ich m\u00f6chte eigentlich weiter meinen Hamburger essen, ohne um das Rind trauern zu m\u00fcssen!<\/p>\n<p><strong><br \/>\nLebensformen<\/strong><\/p>\n<p>Besonders merkw\u00fcrdig sind ja die Lebensformen im Affenkult! Das Familienleben ist hier von Grund auf umgekrempelt: Harmonie in der Ehe gilt als wichtigste Voraussetzung, und streitende Ehepaare bekommen grunds\u00e4tzlich immer drei Wochen lang eine Ruhepause, um ihre Konflikte zu bereinigen. Wahrscheinlich ist man nach drei Wochen Dauerstreit f\u00fcr alle Zeiten verstummt!<br \/>\nDie Familie wird hier besonders hoch bewertet, denn Blutsverwandtschaft gilt als sch\u00fctzenswert.<br \/>\nDie Kinder werden von den \u00c4ltesten unterrichtet und m\u00fcssen sich ihrem Urteil beugen, allerdings wird auch hier schon fr\u00fch Wert auf Demokratie gelegt. Will der Lehrer einen Sch\u00fcler zurechtweisen, muss er erst die Erlaubnis der Klasse einfordern. Hilfsbereitschaft und H\u00f6flichkeit unter Jugendlichen wird mit ausdienenden Wanderungen und Sport belohnt.<br \/>\nDie J\u00fcnger des Affenkultes leben mit ihren Familien auf der winzigen Insel in der S\u00fcdsee mit schlechtem Untergrund und einer kargen Ernte. Aber sie haben immer sonniges Wetter und sind stets gut gelaunt. Ich bin allerdings nicht gut gelaunt, wenn es nichts Gutes zu essen gibt, auch in der S\u00fcdsee!<br \/>\nInnerhalb der Weltpolitik werden die Affenkultler isoliert, und wegen ihrer angeblich willk\u00fcrlichen und unchristlichen Handlungen heftig von den Vereinten Nationen kritisiert, bisweilen wird viel \u00fcber sie hergezogen. Das kann ich auch alles gut verstehen!<br \/>\nIn der Gemeinde des Dorfes werden gelegentlich Touristen, die nach Meinung der J\u00fcnger die Ruhe des Alltags st\u00f6ren, als \u00fcble Plage abgewehrt. Auch Medienspektakel werden als unangenehm empfunden, was ich ja nun \u00fcberhaupt nicht verstehen kann. Woher sollen wir denn sonst wissen, was passiert? Das ist ja hinterw\u00e4ldlerisch!<br \/>\nDie Affenj\u00fcnger meinen, dass Bescheidenheit und das einfache Leben keinen Grund f\u00fcr Stolz zul\u00e4sst. Die Au\u00dfenwelt wird zwar akzeptiert, doch es f\u00e4llt vielen J\u00fcngern in der Dorfgemeinschaft schwer zu akzeptieren, dass dort soviel Rummel und Konkurrenz herrscht.<br \/>\nNicht zuletzt deshalb gilt es als Strafe, verbannt zu werden und nicht mehr auf der Insel leben zu d\u00fcrfen. Insgeheim hoffe ich ja, solch eine &#8222;Strafe&#8220; zu erhalten, um dem Affenkult nach meinem Rechercheauftrag wieder entfliehen zu k\u00f6nnen!<br \/>\nAls W\u00e4hrung werden merkw\u00fcrdige bunte M\u00fcnzen verwendet, die wie Kindermurmeln aussehen und aus wertlosem Material bestehen. Das soll die Habgier verhindern.<br \/>\nAls Schmuck sind besonders Affensymbole beliebt, aber generell werden auch Tierstatuen gesch\u00e4tzt. Ich mag es allerdings gar nicht, immer mit so schweren Affenketten herumzulaufen!<br \/>\nHaupts\u00e4chlich bestehen Tauschbeziehungen zwischen den einzelnen Leuten, die sich oft gegenseitig helfen und unterst\u00fctzen.<br \/>\nDer H\u00e4uptling und seine Berater werden alle erst gew\u00e4hlt und m\u00fcssen sich dann Respekt verdienen, indem sie selbst in der Landwirtschaft oder bei der Jagd mitwirken und sich n\u00fctzlich machen.<\/p>\n<p><strong>Priester<\/strong><\/p>\n<p>Trotz ihres standhaften Glaubens an h\u00f6here M\u00e4chte glauben die J\u00fcnger ernsthaft fest daran, dass der Mensch selbst in der Lage w\u00e4re, seine Probleme l\u00f6sen zu k\u00f6nnen.<br \/>\nSie benutzen eine eigene Sprache, die eine Kombination aus verschiedenen Dialekten und Affenger\u00e4uschen enth\u00e4lt, sowie einige andere Bedeutungen, die erst sp\u00e4ter entstanden sind. Leider verstehe ich immer noch nicht so viel von dem Gegrunze!<br \/>\nDer oberste in der religi\u00f6sen Gemeinschaft ist der Priester, der eine Art Papstrolle inne hat. Man erkennt ihn in der \u00d6ffentlichkeit an seiner regenbogenfarbenen Sch\u00e4rpe. Bunte Farben und Stoffe wurden besonders gesch\u00e4tzt.<br \/>\nAllerdings ist die Macht des Priesters nur aufs theologische beschr\u00e4nkt, und er \u00fcbt oft andere T\u00e4tigkeiten aus, wie das Handwerken und die Pflege der Tiere. Auch hat er kein Recht, Kinder oder Erwachsene zurechtzuweisen und hat sein Amt nur h\u00f6chstens ein Jahr inne.<br \/>\nVielmehr geht es ihm um das Wohl seiner J\u00fcnger. Leute, die ernsthaftes Interesse an dieser Rolle haben, d\u00fcrften sich bei dem Oberhaupt bewerben und dieser w\u00e4hlt, nach Absprache mit der Bev\u00f6lkerung, einen neuen W\u00fcrdentr\u00e4ger. Dieser kann sein Amt auch jederzeit niederlegen, wenn er oder die J\u00fcnger damit unzufrieden sind .   <\/p>\n<p><strong>Tanz<\/strong><\/p>\n<p>Die Gemeinschaft ist sehr darauf bestrebt, das Beste f\u00fcr ihre Mitmenschen zu erreichen und ihnen ein harmonisches Leben ohne Kummer zu erm\u00f6glichen. Kunst, Musik und T\u00e4nze werden regelm\u00e4\u00dfig bei Dorfveranstaltungen abgehalten, und jedes Kind hat das Recht, an ihnen teilzunehmen. Besonders Ehepaare tanzen ausgesprochen gerne gemeinsam. Schon im Kindergarten wird den Kindern beigebracht, das Tanzen als beruhigend und befreiend zu empfinden. Leider bin ich schon einige Male als alter Tanzmuffel unangenehm aufgefallen!<br \/>\nEs gibt regelm\u00e4\u00dfig Tanzunterricht und auch viele Tanzwettbewerbe. Dann gewinnt mancher J\u00fcnger auch schon einmal einen Preis, den es allerdings nur selten entgegennimmt, da er sehr schwer ist, Lob anzunehmen. Belohnungen sollen als unn\u00f6tig empfunden werden, auch wenn sie zum Brauch dazu geh\u00f6ren. Man kann seine Preise auch verschenken, wenn sie einem nicht gefallen, ohne dass jemand gekr\u00e4nkt ist. Das gilt sogar als stark. Das zeugt meiner Meinung nach nun wirklich von Geistesverwirrtheit! Ich w\u00fcrde doch keinen Preis abgeben!<\/p>\n<p><strong>Schlusswort<\/strong><\/p>\n<p>Ich, Alexander Niel Anders, lebe nun schon einige Wochen in der S\u00fcdsee, grunze vor mich hin und lebe mit den Affenj\u00fcngern zusammen. Eigentlich ist es recht erholsam. Ich hopse oft im Kreise, was man hier Tanzen nennt und versuche so unauff\u00e4llig wie m\u00f6glich zu sein, was mir aber nicht immer gelingt. Trotz aller Widrigkeiten f\u00fchle ich mich hier wohler als in der katholischen Kirche, in der es weniger fr\u00f6hlich zugeht. Vielleicht werde ich ja doch noch ein echter &#8222;Affenkultler&#8220;.<br \/>\nDie Aufregung des Papstes kann ich \u00fcberhaupt nicht mehr verstehen&#8230;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorwort Der Papst hat endlich Konkurrenz bekommen. Sahen wir ihn bislang doch als Stellvertreter Gottes an, so waren wir etwas verwundert \u00fcber seine Auftritte in der \u00d6ffentlichkeit. Schon sein Aussehen gibt zum Schmunzeln Anlass. So tr\u00e4gt er nicht etwa Anzug und Krawatte, sondern unpraktische wallende Gew\u00e4nder mit roten Schuhen. 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