{"id":1219,"date":"2015-07-25T17:12:39","date_gmt":"2015-07-25T15:12:39","guid":{"rendered":"http:\/\/robin-schicha.de\/?page_id=1219"},"modified":"2015-07-25T17:13:59","modified_gmt":"2015-07-25T15:13:59","slug":"frau-rose-und-fraeulein-unkraut","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/robin-schicha.de\/?page_id=1219","title":{"rendered":"Frau Rose und Fr\u00e4ulein Unkraut"},"content":{"rendered":"<p>Es gab einmal einen wundersch\u00f6nen Garten, in dem viele unterschiedliche Blumen lebten. Die bekannteste war Frau Rose. Sie war f\u00fcr die vielen Gartenparties verantwortlich, die im Sommer und im Fr\u00fchling ganz besonders beliebt waren.<\/p>\n<p>Am wenigstens geduldet war eine \u00e4ltere Witwe namens Fr\u00e4ulein Unkraut. Sie und ihre ganze Familie galten in der Nachbarschaft als hemmungslose Schmarotzer. Alle, die sich richtig wichtig f\u00fchlten, vermieden unter allen Umst\u00e4nden jeden Kontakt zu ihr. Alle Pflanzen im Umkreis von drei Hecken &#8211; au\u00dfer Frau Rose!<\/p>\n<p>Sie sprach jeden Morgen nach dem Fr\u00fchst\u00fcck immer ganz ungeniert mit der \u00e4lteren Dame und lud sie manchmal sogar am Nachmittag zu Wasser und D\u00fcngemittel ein. Dar\u00fcber waren die anderen hochgewachsenen gut aussehenden Blumen ganz entsetzt. So etwas fanden sie nicht schicklich!<\/p>\n<p>Untereinander begann ein Gerede \u00fcber die Gr\u00fcnde: \u201eVielleicht ist Frau Rose schwer erkrankt und sie erhofft sich botanische Ratschl\u00e4ge von Fr\u00e4ulein Unkraut!\u201c vermutete Frau Veilchen.<br \/>\n\u201eFrau Rose k\u00f6nnte auch ihrem verstorbenen Ehemann \u2013 der Rasenm\u00e4her hat ihn damals leider geholt &#8211; versprochen haben, dass sie mit der Irren redet!\u201c, konterte der Farn mit besorgter Stimme. \u201eDas wird ein b\u00f6ses Ende nehmen!\u201c warnte der Flieder. \u201eH\u00f6rt auf meine Worte! Jemand wird f\u00fcr diesen Unsinn Bl\u00e4tter und Bl\u00fcten lassen!\u201c<br \/>\nDoch was auch immer der Grund war, Frau Rose selbst schwieg sich aus. Sie l\u00e4chelte immer nur wissend, wenn die Nachbar meinten, sie k\u00f6nnten ihr die Wahrheit sagen, sie w\u00fcrden ihr helfen, worin auch immer die Schuld bestehe. Die Nelken versuchten sie mit frischer Erde zu bestechen. Die Heidelbeere sah immer h\u00e4ufiger nach Blattl\u00e4usen und erwartete daf\u00fcr etwas im Gegenzeug. Doch keiner von ihnen brachte sie dazu, ihre Neugier zu befriedigen und etwas \u00fcber ihren Kontakt zu Fr\u00e4ulein Unkraut zu berichten. Da wurde die Pflanzengemeinschaft grob und ungem\u00fctlich.<\/p>\n<p>Bisher hatten sie immer Frau Rose f\u00fcr die gesch\u00e4digte arme Seele gehalten, die in der Gewalt von Fr\u00e4ulein Unkraut war und ihr mit Gedeih und Verderben ausgeliefert war. Doch nun, angeregt durch geschickt gestreute Vermutungen des alten L\u00f6wenzahns, der sich bald in eine Pusteblume verwandeln w\u00fcrde und deshalb schlecht gelaunt war, kam die \u00dcberzeugung auf, Frau Rose w\u00fcrde einen Komplott gegen die gesamte Nachbarschaft schmieden. Der Lavendel warnte vor einer riesigen Invasion der Unkr\u00e4uter!<\/p>\n<p>Bei einer privaten Zusammensitzung in der N\u00e4he der angrenzenden G\u00e4rten wurde einstimmig beschlossen, dem Spuk ein Ende zu bereiten! Die besonders h\u00fcbschen Pflanzen riefen die Pfleger in den Parkg\u00e4rten um Hilfe und gaben vor, vom Unkraut bedroht zu sein. Sofort erscheinen riesige H\u00e4nde und suchten die ganze Gegend nach dem betreffenden Gew\u00e4chs ab, mit dem Ziel es auszurei\u00dfen!<\/p>\n<p>Nun war das Leben von Fr\u00e4ulein Unkraut in Gefahr. Rasch floh sie zu ihrer Freundin Frau Rose, die sie an einen sicheren Ort bracht. Ihre Setzlinge waren bereits dem Unkrautvernichtungsmittel zum Opfer gefallen.<\/p>\n<p>Darauf hatten die umherwachsenden Pflanzen nur gewartet und versperrten ihr den Weg. Wenn Frau Rose auch jetzt nichts sagen w\u00fcrde, was los war, dann w\u00fcrde Fr\u00e4ulein Unkraut der Schere zum Opfer fallen. Drohend bildeten sie eine undurchdringbare Mauer aus b\u00f6sen Pflanzen.<\/p>\n<p>Deshalb brach Frau Rose am Ende ihr Schweigen. Sie war um Fr\u00e4ulein Unkraut so bem\u00fcht, da es sich bei der Dame um ein sehr altes Gew\u00e4chs handelte, welche Dinge gesehen hatte, die es heute gar nicht mehr gab: Eine Zeit ohne G\u00e4rtner, eine wilde Zeit in der freien Natur voller Geheimnisse \u2013 guter wie schlechter.<\/p>\n<p>Frau Rose, die seit ihrer Bl\u00fcten\u00f6ffnung immer nur gehegt und gepflegt worden war, sehnte sich nach Nat\u00fcrlichkeit. Und bei Fr\u00e4ulein Unkraut musste sie nicht die feine Gastgeberin spielen, die bei der Tischgesellschaft erwartet wurde. Fr\u00e4ulein Unkraut war vielleicht nicht unbedingt vorzeigbar, daf\u00fcr jedoch echt und dauerhaft. Mit Schrecken erfuhren die meisten Pflanzen von Fr\u00e4ulein Unkraut, dass die meisten von ihnen den n\u00e4chsten Winter nicht \u00fcberstehen w\u00fcrden, da man sie allein wegen ihres sch\u00f6nen Aussehens gepflanzt hatte und nicht wegen ihrer Widerstandskraft. Fr\u00e4ulein Unkraut war \u00e4lter als alle G\u00e4rtner der Gegend. Und auch Frau Rose war alles andere als harmlos: sie hatte Dornen zur Verteidigung! Etwas tr\u00fcbsinnig und eingesunken \u00f6ffnete sich die Mauer, und Fr\u00e4ulein Unkraut suchte ihr Heil in der Flucht.<\/p>\n<p>Die n\u00e4chsten N\u00e4chte waren sehr unterk\u00fchlt und die Gartenparties waren nicht mehr so unbeschwert wie fr\u00fcher. Einige Blumen sch\u00e4mten sich f\u00fcr ihr Verhalten, andere f\u00fcrchteten ihr bevorstehendes Ende.<\/p>\n<p>Viele Wochen sp\u00e4ter erfuhr Frau Rose von einem umherreisenden Sandkorn, dass Fr\u00e4ulein Unkraut mittlerweile ein neues Zuhause gefunden hatte: auf einem H\u00fcgel in der N\u00e4he eines Bauernhofes, auf einer Wiese, auf dem viele Maulw\u00fcrfe lebten. Wenn der Bauer dadurch nicht gest\u00f6rt wurde, dann w\u00fcrde ein Unkraut mehr oder weniger nicht auffallen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gab einmal einen wundersch\u00f6nen Garten, in dem viele unterschiedliche Blumen lebten. Die bekannteste war Frau Rose. Sie war f\u00fcr die vielen Gartenparties verantwortlich, die im Sommer und im Fr\u00fchling ganz besonders beliebt waren. Am wenigstens geduldet war eine \u00e4ltere Witwe namens Fr\u00e4ulein Unkraut. 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